Paprika säen

Letztes Jahr war ich sooo stolz auf meine Paprikaschwemme im Treibhaus…Noch immer genießen wir die roten Paprika-Saucen,  selbst eingelegten Pepperonis und das Chilipulver, das mich schon beim Öffnen des Gläschens zum Husten bringt.
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Heute soll es also sein, sagt der Mondkalender….Pflanzzeit, Fruchttag , ganz untypisches Wetter für einen Fruchttag, finde ich…eiskalter frostiger Wind, der gerade die letzten Palmkohlpflanzen im Gemüsegarten gefrier-trocknet und kein einziger Sonnenstrahl! Bähhh!Paprika Aussaaat 2017 2 (8).JPG„Beschreib mal genau, wie du das machst,“ bat mich Malena  heute  morgen. Ok, also ganz genau zum Nachmachen. Paprika säen  an deinem Geburtstag. ❤
Man nehme…….
Extra gekaufte Aussaaterde: Ich mische gern eigene Erden mit Kompost, aber Paprika ist ein wenig heikel, leidet gern mal an Bodenpilzen, die die kleinen Wurzeln braun werden und absterben lassen, deshalb alle empfindlichen Kandidaten gern in leichte weiche , vor allen sterile Aussaaterde ( ich befürchte , da ist auch Torf drin). Holzige Erde, wie in letzter Zeit für Balkonpflanzen angeboten wird , ist zu klumpig für feine Keimlinge . Kokosfasern sind auch leicht, allein aber zu nährstoffarm. Da die Samen bei der riskanten Keimung gespannte Luft  (hohe Luftfeuchtgkeit) lieben und unsere Heizungsluft viel zu trocken ist, benutze ich Gemüseschalen, Ikeakisten und alles, was sich anbietet, als Minitreibhäuser. Die eckigen Töpfe sind praktisch, weil beim Gießen kein Wasser daneben läuft.
Vor der Kiste seht ihr meine Briefumschlag-Samentüten mit selbst geerntetem Saatgut. Da gibt es   ‚Frühzauber‘ , der ersten Blockpaprika, mit der ich  gute Ernten hatte. Daneben Pepperronis, eine süße Auslese aus einer besonders leckeren Schote die ich in einem  türkischen Gemüseladen fand….und ‚Jimmy Nardello‘, eine rote Spitzpaprika, die ganz unkompliziert ist. Die „Dicke Jimmy Nardello „…..na ja, da hat wohl mal eine ‚Frühzauber‘ mit einem ‚Jimmy‘ geschmust…
Außerdem  Chilisamen, ursprünglich  namens ‚Apache‘, inzwischen aber lauter verschiedene Formen…Hauptsache scharf !Paprika Aussaaat 2017 2 (1).JPG

Ich fülle die Töpfe fast randvoll mit Erde und streue die  Samen relativ dicht. Wenn sie gut keimen, muss leicht ausgedünnt werden.  Nach jeder Sorte wische ich sorgfältig die danebengehüpften Samen vom Tisch. Zu leicht vermischen sich die Sorten , wenn ich nicht aufpasse. Und: ich stecke sofort ein Namensschild mit Namen und Aussaatsdatum dran. Irrtümer sind sehr ärgerlich: Wer braucht schon ein ganzes Treibhaus voller gigantischer Chilis, während die Blockpaprikas im Freiland herumkrepeln     😦  .
Zum Schluss streusele ich ca 1/2 cm Erde zum Abdecken darüber, und  gieße jeden Topf vorsichtig an. Gut zum Dosieren ist alles, was einer Sprühflasche ähnelt.

Zum Keimen stelle ich das geschlossene Treibhäuschen an einen warmen Ort. Warm, nicht heiß ! So ca 20 Grad wäre die ideale Temperatur . Ein lauwarmer Heizkörper ist gut. Dunkelheit schadet erstmal nicht….solange kein Körnchen gekeimt hat. Doch sowie die Saat keimt, wird Licht erforderlich. Also ab an ein Süd-Fenster, wo es allerdings jetzt im Februar meist noch zu kühl ist. Bei ungleichmäßiger Keimung beginnt nun ein kleiner Eiertanz. Reichen die Temperaturen noch  für die Nachzügler aus oder vekümmern sie? Habe ich schon genug Pflanzen für meinen Bedarf?
Wenn nicht,  helfe ich mit einer Wärmflasche aus.
Wem dieses Spielchen zu nervenaufreibend ist, der sollte über den Kauf einer  Heizmatte nachdenken. Bei mir funktioniert es gut ohne….allerdings betreibe ich mein Büro auch hier im Haus und kann  auch tagsüber die Paprikababies betüdeln, falls nötig.

Die Erde sollte gerade zur Keimung immer gleichmäßig feucht sein, …nicht nass! Zu viel Wasser fördert Fäulnis und Trauermücken ( kleine Fliegen, deren Larven die Wurzeln anknabbern). Später dürfen die Pflänzchen auch ab und an etwas trocken stehen.

Wenn die Keimblätter groß und kräftig sind …so ca bei einer Höhe von 4cm , muss pikiert werden. D.h jede Paprika bekommt ihren eigenen Topf…dann wird es eng auf der Fensterbank. Aber bis dahin ist’s noch eine Weile hin.Wenn ihr also diesen Sommer von A-Z selbstgezogene  Paprikas ernten wollt,  kommt in die Puschen . Die Pflänzchen benötigen mehr Zeit als Tomaten.

Also dann: Viel Glück und Geschick

Die Ruhe zwischen den Tagen

 

Winter, dachte ich mir, DAS ist der einzig mögliche Zeitpunkt für den Beginn meines Blogs…wo sonst in dem Knäul aus Planungsbüro, Hausbauen und Selbstversorger-Gartentum soll ich einen Anfang für den roten Faden finden.
Und tatsächlich.
Nach Weihnachten scheint sich die Welt der Menschen langsamer zu drehen, und da es teilweise wirklich friert, ist auch die Verlockung sich zu Frühlingsarbeiten hinreißen zu lassen, nicht allzu groß. Vielmehr läuft das alte Gartenjahr gerade aus und  das Geflecht aus Tätigkeiten ist  überschaubar.

Frostschutz: Sämtliche verfügbaren Tannezweige nutze ich , um Rosen und andere Zartbesaitete im Garten vor  eisigen Winden zu schützen.  Unser ‚blaues‘ Feigenbäumchen im Treibhaus wird nun endgültig dick frostsicher eingepackt. Die Äpfel, die riskanter Weise draußen nur mit Decken geschützt in Kisten lagen, wandern jetzt auf den ungeheizten Teil des Dachbodens …na wandern klingt so leicht…Noch wuchten wir sie eine Leiter hinauf, da es die Treppe zu Boden noch nicht gibt. PC305778.JPGAm Fenster, (schön hell aber kühl) stehen dort schon seit Wochen   eine Reihe frostgefährdeter  Schätze in Töpfen, wie der Rosmarin, der erst nächstes Jahr im Freien überwintern soll, der herrliche Salbei ‚Amistad‘, an dem noch immer einzelne knall-lila Bütenrispen sitzen, die Zistrose und das Chinesische Süßblatt ( Tian Cha, botanisch Rhubus suavissimus).
Auch meine Andenbeeren ( Physalis peruviana) überwintere ich dieses Jahr, damit sie als große Pflanzen in den Sommer starten und reichlich tragen.

P1095810.JPGDie Regentonnen mussten dringend geleert werden….Um die  Eisschicht an der Oberfläche zu entfernen brauchte ich schon eine Axt….also höchste Eisenbahn. Nichts ist ärgerlicher, als nach einer Frostphase vor einer geplatzten Regentonne zu stehen, nur weil ich  mich nicht vom kostbaren Blumengießwasser trennen mochte.

PC295735.JPGDie letzten Rote Beete und Möhren  habe ich geerntet und mich beim Schrubben im eiskalten Wasser für diesen Winter  gern vom  Selbstversorgertum verabschiedet.

PC215722.JPGDie Auswahl für den morgendlichen grünen Smoothie ist inzwischen doch sehr begrenzt: Äpfel lagern wir reichlich, dazu heute die letzten glücklichen Kiwis von einem Gärtner aus der Nachbarschaft. Aber das Grün….Grünkohl mit Kerbel oder Rucola mit Feldsalat….ab und an ein Löwenzahnwürzelchen oder ein Blatt Gundermann , winzige  Petersilienrosetten täglich etwas weniger…..PC215723.JPGNoch bin ich  irritiert, als  ich im Supermarkt nun schon zum 2. Mal Berge von Gemüse in den Wagen lade, wo ich vor Wochen  nur dachte „ haben  wir selbst , haben wir, haben wir….

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Unser Gemüsegarten sieht im Moment soooo aus…im Hintergrund das Haus, an dem wir seit April 2014 bauen und jede Menge Baumaterialien, die ihren unbezwingbaren Charme versprühen.

Garten… der erste Sommer

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So sah unser neues Heim nebst Designergarten im April 2014 aus. Dieses Foto seh‘ ich mir immer wieder gern an, wenn ich verzweifelt bin, weil  das  Bauen in Haus und Garten neben der Arbeit her gar so  langsam geht….. Und dann kann  selbst ich unsere Fortschritte erkennen.

Hier nun der Anfang für Euch:

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In den ersten Wochen  bestand meine Gartenarbeit ausschließlich aus Mähen und endlosem Harken der verfilzten Wiese. An manchen Tagen war mir echt zu Heulen…2014-05-10 17.22.57.jpg
Dann  konnten endlich die großen Töpfe mit Stauden aus dem Häuschengarten (siehe hier Häuschen) einziehen. Mit meinen Pflanzenkindern um mich ging’s mir gleich viel besser.
P1110222.JPGDie ehemalige Badewanne wurde zur Regentonne. In Hintergrund die blühenden Staudentöpfe.P1110250.JPG
Fix musste  ein Kompost  aus ersten Gartenabfällen und Pferdemist angelegt werden.
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Und DIES wurde der Ersatz für die nicht vorhandene Dusche…
An der Westseite des Hauses ein Regentonnen-Tauchbecken ……
im Sommer kein Problem….
Dahinter mein goldener Pfeifenstrauch und die Funkien in Töpfen.

P9288790 Ausschnitt.jpgNach ein paar Tagen gemeinsamer Vermessungsarbeiten  nahm ich mir die Zeit, unsere  Ideen für den nördlichen Garten zu Papier zu bringen. Nach  der Zeit des  Stadtlebens wollten wir  einen großen Gemüsegarten, ein Treibhaus und um den kreisförmigen Rasen Staudenbeete mit schützender Rückendeckung aus Sträuchern.
Der auf dem Plan sichtbare quadratische Senkgarten im Rasen bleibt wohl erstmal eine Zukunftsspinnerei. Zur Zeit (Februar 2017) wachsen dort Grünkohl und Co.P1110256.JPG
Im August 2014 legte ich , nachdem wir den Sommer über hauptsächlich an der Dämmung der Nordfassade gearbeitet hatten, mein ERSTES Beet an: Die Purpurrabatte ! Jetzt fühlte sich das neue Grundstück  schon ein wenig nach Garten an.P1110423.JPG
Und so sah es dann im ersten Herbst aus: Wie ihr evtl erkennen könnt, hatte ich mich grabender Weise  von der Purpurrabatte (links) aus, Stück für Stück am Zaun nach rechts entlanggearbeitet . Zwar nur ein schmales Streifchen, dafür aber 2 Spaten tief gelockert und mit Sand und Kompost gemischt. Die Staudentöpfe auf der Folie waren schon deutlich dezimiert. Um profimäßig vorzugehen, hätte ich natürlich zuerst, Bäume und Sträucher,  also die „Gerüstbildner“oder die „Haupdarsteller auf der Gartenbühne“ pflanzen müssen. Aber dummer Weise  mussten die Stauden dringend in den Boden, um besser vor kommenden Frösten geschützt zu sein, und ich hatte noch wenig Zeit gehabt, über Bäume und Sträucher nachzudenken. Für viele Pflanzen gab es noch gar keine fertigen Beete. Soweit es schon Ideen gab,  steckte ich mit Eddingstift beschriftete Holzbrettchen als Platzhalter für die Gehölze in den Boden, damit ich später nicht all zu viele Stauden umpflanzen müsste…..Je näher der Winter rückte, desto hastiger stopfte ich Pflanzen in den Boden, teilweise auch im Topf, wenn klar war, das ihnen noch ein Umzug bevorstand.Schon seltsam: für meine Auftraggeber fertige ich liebevoll Pflanzpläne an und hier soetwas, tssss…
Genau so, wie es nicht hätte sein sollen. Aber… such is life.

Und fürs erste Jahr konnte ich wirklich zufrieden sein.

Haus und Garten bei unserer Ankunft

Nach dem Verlassen unseres üppigen Schrebergartens, siehe  Über mich, war der Neubeginn echt hart!

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Ein bisschen verloren fühlte ich mich angesichts des großen Nichts…..aber die Umgebung mit Pferde-und Kuhweiden und der Blick ins Leinetal war wunderschön…
Der „Garten“ beherbergte eine Große Tanne mit duftenden Nadeln (eine Küstentanne?), einen Winterschneeball, einen efeuüberwucherten, toten Apfelbaustumpf, einen schönen, aber nicht zu bändigenden, japanischen Knöterich und die Samen einer Tabakpflanze, die mich im ersten Sommer überraschte…
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Das Haus dagegen….
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war unsäglich hässlich, hatte aber Potential ….und es barg Überraschungen ….
mehr als erwartet. Die Lösung hieß „selbst bauen“.IMG_20140412_185600.jpg
Da unser neues Zuhause eine Weile unbewohnt gewesen war, hieß es nun, sich die Räume putzender Weise anzueignen. Dieses war der erste, einigermaßen nutzbare Raum.IMG-20140518-WA0006.jpg
Es folgte die Küche, provisorisch , für 2-3 Monate, dachten wir…… jetzt ( Januar 2017) sind es fast 3 Jahre, die wir im Zustand von …“Edelcamping“ leben.
Unser erstes Etappenziel,  „ein funktionierendes Bad“ wird in wenigen Wochen erreicht sein. Doch da alle Baumaßnahmen vernetzt sind , haben wir eigentlich die Hälfte des Hauses völlig entkernt und neu gebaut…doch darüber später mehr unter „Hausbau“.